Historische Stadtrundgänge
Stadtteil Unterboihingen
Station 4:
Milchhäusle
Milchhäusle
1935 erbaut
1969 Ende des Geschäftsbetriebs
nach Brand Ruine
2025 endgültiger Abriss
Adresse: Kirchstraße 3

Abb. 1: Das Milchhäusle im Jahr 2002
Lange haben wir darüber diskutiert, ob dieses Gebäude in den Stadtrundgang mit einbezogen werden sollte. Wir haben uns dazu entschlossen, obwohl die Brandruine im Jahr 2025 abgerissen wurde.
Das Milchhäusle ist ein Zeichen für die einstige Bedeutung der Landwirtschaft in Unterboihingen. Die Idee war, überschüssige Milch zu einem Preis von 18 Pfennig/Liter aufzukaufen, diese gekühlt zu lagern und für 20 Pfennig/Liter wieder zu verkaufen. Dies wurde notwendig, da die private Viehhaltung, vor allem bei den Arbeiterfamilien, zurückging. Man konnte so die tägliche Versorgung mit Milch genossenschaftlich garantieren.
Deshalb gründete sich, gegen den Widerstand der hiesigen Bäcker, die bisher schon frische Milch verkauften, um 1934 eine Milchverwertungsgenossenschaft. Eine geplante Einrichtung der Anlage in der Pfarrscheuer kam nicht zustande, weil diese verpachtet war. So wurde 1935 in der Kirchstraße 3 ein Nebengebäude mit Kühlanlage errichtet, welches die Wappen der Grundstückseigentümer Ruth von Degenfeld und Albrecht Hugo Thumb von Neuburg zeigt.
Bis 1969 konnte sich die Einrichtung unter der Leitung von Maria Tomschitz halten, bevor heimische Kühlschränke und abgepackte, haltbar gemachte Milch in den Regalen der Lebensmittelmärkte das Rennen machten. Zudem war die Zahl der Unterboihinger Milchviehbetriebe stark zurückgegangen und dadurch die lokale Milchversorgung nicht mehr gesichert.
Der schmale Weg zum Milchhäusle markiert auch den ehemaligen Verlauf des Dorfbaches hin zum Schloss, der etwas oberhalb die alte Viehtränke speiste.
Abbildungen

Abb. 2: Verschiedene Milchwertmarken aus der Zeit der genossenschaftlichen Vermarktung.
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